Leider kursieren viele sich hartnäckig haltende Irrtümer, die zu Misskonzepten
führen und mit dafür verantwortlich sind, dass unzählige Katzen misshandelt, weggegeben oder sogar kerngesund eingeschläfert werden. Die wohl häufigsten
Fehlinterpretationen zum Thema Katzenverhalten möchte ich hier kurz nennen.
»Die Katze ist aus Protest unsauber.« - Es gibt unzählige gute Gründe für Katzen, unsauber zu werden.
Aber niemals handeln sie aus Provokation, Trotz oder gar Boshaftigkeit. Sie haben auch keinerlei Interesse daran, ihre/n Menschen zu ärgern.
»Katzen fühlen sich erst in einer Gruppe richtig wohl.« - Katzen sind keine Rudeltiere. Durch Gruppenhaltung (ab 3 aufwärts) auf begrenztem Raum entstehen die häufigsten Verhaltensprobleme erst.
»Die Katze ist sehr ängstlich/schreckhaft, die ist eben so.« - Angststörungen machen einer Katze das Leben sehr schwer, teils sogar unerträglich. Sie werden dennoch von unzähligen Katzenhaltern tatenlos hingenommen. Dabei
sind sie meist sehr gut behandelbar.
»Die Katze ist unverträglich und braucht einen Einzelplatz.«
- Wenn eine Katze mit ihrer/n Mitkatze/n nicht harmoniert, besteht noch lange kein Grund, sie grundsätzlich
in Einzelhaft zu zwingen.
»Meine Katze will mir eins auswischen / sich rächen.« - Erst durch solche falschen Vermenschlichungen kommt es zu weiteren Missverständnissen.
»Aggressive/unsaubere/ungehorsame Katzen soll man bestrafen.« - Jede Strafe verschlimmert das Problem nur noch weiter.
»Die Kleine hat Welpenschutz.« - Bei Katzen ist dieser nicht ausreichend vorhanden, um Kitten vor Angriffen zu schützen!
»Die Katze will einfach nach draußen, dann wird sie auch sauber (ruhiger, verträglicher ...).« - Freigang stellt nur in den seltensten Fällen die Lösung für z.B. ein Unsauberkeitsproblem dar. Die Ursachen sind meist ganz andere.
»Es reicht, wenn sich die Katzen ein Katzenklo teilen. « - Völlig gegen die Natur der Katze. Es lebe die menschliche Bequemlichkeit.
»Ich habe schon Verhaltensratgeberbücher gelesen, hilft alles nicht.« - Das Lesen von Ratgeberlektüre ist bei bereits bestehenden Verhaltensproblemen etwa so hilfreich wie ein
Arztbuch bei einer eigenen Krankheit: informativ, aber dennoch nicht heilend; man bleibt oft "betriebsblind" im eigenen Blickwinkel hängen. Kein Buch kann alle Probleme beheben oder eine Therapie ersetzen.
Noch ein Wort zu Irrtümern und guten Tipps. Besonders in Internet-Foren werden unter Katzenfreunden massenhaft
Tipps für jede denkbare Problemsituation ausgetauscht.
Leider sind viele dieser Empfehlungen zwar gut gemeint, aber haarsträubend ungeeignet. Vielfach verschlechtert sich die Lage noch
und verhärtet das Problem. Bitte wenden Sie sich lieber gleich an einen eigens hierfür ausgebildeten Therapeuten - Ihrer Samtpfote zuliebe.
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